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Um 4.49 Uhr Mitteleuropäischer Zeit verschwindet der Shuttle "Atlantis" spurlos im All. Stunden später geht ohne Vorwarnung ein Meteoritenregen an der Ostküste der Vereinigten Staaten nieder und richtet großen Schaden an. Doch das ist nur ein kleiner Vorgeschmack: Ein Asteroid von der Größe des Staates Texas steuert mit einer Geschwindigkeit von 35.000 km/h geradewegs auf die Erde zu! In exakt 18 Tagen wird der gigantische Gesteinsbrocken einschlagen - das definitive Ende des blauen Planeten.
Mit dem Mut der Verzweiflung wird ein geradezu irrwitziger Plan zur Rettung der Erde entworfen: Der Leiter der NASA, Dan Truman (Billy Bob Thornton), heuert den weltbesten Spezialisten für Tief-Ölbohrungen, Harry S. Stamper (Bruce Willis), samt seinem zwölf Mann starken Expertenteam an. In den beiden Shuttles "Freedom" und "Independence" werden die tollkühnen Männer ins All katapultiert, um den "globalen Killer" auszuschalten. Ziel ist es, den Asteroiden anzubohren und ihn mit einem nuklearen Sprengkopf von innen heraus zu sprengen.
Mit von der Partie der im Eilverfahren ausgebildeten Astronauten
ist auch A. J. Frost (Ben Affleck), Stampers zukünftiger
Schwiegersohn. Grace Stamper (Liv Tyler) hat somit doppelten Grund,
das waghalsige Unternehmen mit sehr gemischten Gefühlen zu
verfolgen. Aber sie ist sicher nicht die einzige: Das Schicksal
der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel.
Eine reelle Chance oder ein Selbstmordkommando? Stamper und seine Crew nehmen die ultimative Herausforderung an... Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer, Regisseur Michael Bay, Willis sowie ein hochkarätiges Team von Darstellern und Trickspezialisten haben daraus mit 140 Millionen Dollar Etat ein Actionspektakel gemacht, das sein Eintrittsgeld allemal wert ist. Und da nun einmal, wie im Vorjahr in Sachen Vulkanausbruch, zwei Großproduktionen mit gleicher Thematik binnen weniger Wochen auf den Leinwänden zu besichtigen sind, muß deutlich gesagt werden: "Armageddon - Das Jüngste Gericht" ist in fast jeder Beziehung besser, härter, spektakulärer als Mimi Lederers mit faden Sentimentalitäten vollgestopftes Kometen-Melodram "Deep Impact".
Vor allem können die sensationellen Trickaufnahmen überzeugen.
Jederzeit sieht man dem bislang teuersten Disney-Streifens seine
astronomischen Kosten an. Viel dürfte in die Stargagen investiert
worden sein, ein Bruce Willis hat nun mal seinen Preis. "Ich
habe schon oft die Welt im Film gerettet. Und das wird immer leichter",
kommentierte Willis seinen Part. Oscar-Preisträger Billy
Bob Thornton als Nasa-Chef und Steve Buscemi als Superhirn sind
ebenfalls eine Bereicherung. Ärgerlich hingegen sind die
blassen Vorstellungen von Jungstar Ben Affleck und der schönen
Liv Tyler, deren Liebesromanze so glaubhaft ist wie ein WM-Hattrick
von Jürgen Kohler. Die wahren Helden dieses Streifens sind
ohnehin die Tricktechniker und Ausstatter, deren Namen nur im
Abspann zu lesen sind und ohne die doch alles nicht möglich
wäre.
Zum Glück sind die Special Effects gut genug, um über die ein oder andere Drehbuchschwäche hinweg zu täuschen, denn es mangelt nicht an sonderbaren Auslegungen physikalischer und logischer Gesetzmäßigkeiten. Für falschen Pathos und maßlosen Patriotismus bleibt ebenfalls genug Raum. Als man im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes einen 50- minütigen Zusammenschnitt der noch nicht fertigen Produktion zeigte, amüsierte sich das Fachpublikum köstlich angesichts einiger unfreiwillig komischer, allzu pathetischer Szenen. Bruce Willis merkte selbstironisch an: "Wie schön, daß Sie auch die lustigen Aspekte des Drehbuchs entdeckt haben."
So sind denn auch die Handlungsträger sind durch die Bank
markig und natürlich US-Bürger. Inder beten, Chinesen
ertrinken, Franzosen brennen und Russen randalieren. Nur die Amerikaner
spucken in die Hände und packen es auf ihre Weise an. Ein
"Armageddon" ist sicherlich kein Beitrag zu Leinwandkunst, vielmehr 'Achter- und Geisterbahnkino', das die Besucher ohrenbetäubend durchschüttelt, mit Ängsten konfrontiert und kaum Verschnaufpausen gönnt. Wer also keine ausgefeilte Story erwartet, sondern perfekt geschnittenes Popcorn-Kino, ist hier bestens aufgehoben.
Wenn man sich bisweilen auch wünscht, daß irgend jemand
in Hollywood begreift, daß sich spektakuläre Effekte
mit hohem Budget und ein gutes Drehbuch nicht zwangsläufig
ausschließen müssen.
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